Unternehmensstruktur - Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL)
ist der südlichste Landkreis Brandenburgs, an der Grenze zu
Sachsen. Mit der Kreisfusion von Senftenberg und Calau im Jahre
1993 entstand der am dichtesten besiedelte Landkreis mit 124
Einwohnern / Quadratkilometer, welcher durch die
Braunkohleförderung und - veredelung monostrukturiert war. Bis 1990
wurde der Berufsverkehr für die meist im durchgehenden
Drei-Schicht-System arbeitenden Tagebaue, Brikettfabriken und
sonstige Betriebe in hohem Maße durch den ÖPNV realisiert. Der
Niedergang der Braunkohle (von ehemals 22800 Beschäftigten sind
heute noch ca. 2800 in der Braunkohle beschäftigt) hatte auch
erhebliche Auswirkungen auf die Leistungen des ÖPNV; insbesondere
auf den Berufsverkehr und somit auf die gesamte Struktur des ÖPNV
im Landkreis.
Im Zuge der Kreisgebietsreform im Jahre 1993 wurde ersichtlich,
dass die Struktur der ÖPNV-Organisation in den beiden Altkreisen
sehr unterschiedlich war. Die anhaltenden Konflikte mit privaten
Unternehmen, den Betriebsräten der kommunalen Unternehmen und
verschiedenen Kreistagsabgeordneten, machte eine
Grundsatzentscheidung über die weitere Entwicklung des ÖPNV
notwendig. Nach längerer Diskussion in den Ausschüssen und der
Beschlussfassung im Kreistag wurde zur Bündelung der Konzessionen
und zur schrittweisen Ausschreibung von Subunternehmerleistungen im
Dezember 1994 die Verkehrsgesellschaft Oberspreewald-Lausitz
(VGOSL) als Managementgesellschaft in einem Drei-Ebenen- Modell
gegründet.
Rück- und Ausblick
Die damals formulierten Ziele sind erreicht. Als Effekte sind zu benennen:
- Verringerung des kreislichen Zuschusses je Fahrplankilometer um ca. 38 % bei gleichbleibendem Verkehrsleistungsvolumen;
- trotz unterschiedlicher Leistungserbringer Koordination aus einer Hand ohne komplizierte Einnahmeaufteilungs- und Kooperationsverträge möglich;
- vollkommene Kostentransparenz für den Landkreis, da Überblick über alle Faktoren der Finanzierung (u.a. § 45a - Mittel und Fahrgeldeinnahmen bei VGOSL);
- konsequente und unkomplizierte Umsetzung des vom Landkreis vorgegebenen Nahverkehrplanes;
- bestmögliche Fahrplanung auch bei unterschiedlichen Leistungserbringern (Vermeidung von Parallelverkehr, optimale Umsteigerelationen, Taktverkehr u.s.w.);
- Umsetzung von durch den Landkreis definierten Qualitätsstandards für das Kreisgebiet;
- erfolgreiche Beteiligung von Leistungsstarken Klein- und Mittelstandsbetrieben möglich;
- Sicherung einer aus Aufgabenträgersicht optimalen Verknüpfung von eigenwirtschaftlichen und gemeinwirtschaftlichen Verkehren und Verhinderung von "Rosinenpickerei" durch Herauslösen von (wenigen) eigenwirtschaftlichen Verkehren und damit verbundener Erhöhung des Zuschussbedarfes.
Die erste europaweite Ausschreibung von Verkehrsleistungen wurde durch die VGOSL im Jahre 1999 durchgeführt.
Durch den Kreistag wurde im Juli 1998 der Umfang der
auszuschreibenden Verkehrsleistung mit 15% beschlossen. Die
Wagenumläufe der auszuschreibenden Leistungen wurden in zehn Losen
derart zusammengestellt, dass auch kleineren bzw. ortsansässigen
Verkehrsunternehmen die Chance gegeben war, sich erfolgreich um
diese Fahrleistung zu bewerben. Dem Bieter mit dem
wirtschaftlichsten Gesamtangebot wurde der Zuschlag erteilt. Der
daraufhin zustande gekommene Gesamtvertrag hatte eine Laufzeit von
4 Jahren.
Nach Ablauf der 4 Jahre wurden diese Verkehrsleistungen wiederum in
einer zweiten europaweiten Ausschreibung im Jahre 2003 im
Wettbewerb vergeben.
Um einen höheren Optimierungsgrad beim Personal- und
Fahrzeugeinsatz erreichen zu können und die Auswertung der
eingehenden Angebote übersichtlicher zu gestalten, wurde die zur
Disposition stehende Leistung bei dieser Ausschreibung nicht mehr
in zehn, sondern nur noch in vier Losen zusammengestellt, wovon
jeweils zwei Lose relativ viel Leistungsanteile beinhalteten und
zwei Lose geringe Leistungsanteile enthielten. Davon waren in drei
Losen nach Vorgabe des Aufgabenträgers Leistungen benannt, welche
ausschließlich mit Niederflurfahrzeugen realisiert werden müssen.
Auch bei dieser Ausschreibung wurde dem Bieter mit dem
wirtschaftlichsten Gesamtangebot der Zuschlag erteilt.
Im Jahr 2008
entschied sich der Landkreis sein kommunales „Erstellerunternehmen“
zu privatisieren und in diesem Zusammenhang in einem kombinierten
Vergabeverfahren 100% der für den Aufgabenträger relevanten
Verkehrsleistung auszuschreiben. Gleichzeitig wurde der neue
Eigentümer verpflichtet ca. 20- 25% dieser Leistung weiter an
Unterauftragnehmer zu vergeben. Der in diesem Zusammenhang zu
Stande gekommene neue Verkehrsvertrag wird zwischen dem Landkreis
OSL/VGOSL und der Südbrandenburger Nahverkehrs GmbH seit dem
01.08.2008 praktiziert und hat eine Laufzeit von 9 Jahren.
